Editorial

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1878–2018: 140 Jahre Schulgeschichte


Das Gymnasium FMS WMS Thun zwischen Tradition und Zukunft, zwischen äusseren Einflüssen und innerem Gestaltungswillen. Einige Schlaglichter und Gedanken zur Geschichte unserer Schule.

 

Text Hans-Ueli Ruchti, Niklaus Schefer

 

 

Der Mensch ist ein animal narrans, ein Wesen, das gerne Geschichten erzählt. Durch Sprache und Symbole entfernen wir uns von der Gegenwart, schweifen in die Erinnerung, träumen in die Zukunft, wandeln in einer Phantasiewelt, kurz: wir können dichten.

Wenn wir Geschichten erzählen, ist der Übergang von Wahrheit zu Dichtung fliessend, wir dichten, verdichten Ereignisse, Stimmungen und Erlebnisse, damit für uns die Geschichte, die eigene Lebensgeschichte oder die Schul- und Bildungsgeschichte einen Sinn macht, einen Spannungsbogen beinhaltet. Und so wird die Geschichte auch für die Zuhörenden spannend.

Erzählen ist mehr als das Übermitteln von Informationen und Daten. Dass wir einander immer wieder Geschichten erzählen, einander beim Geschichten-Erzählen zuhören, gehört zu unserer Kultur, ja: Geschichten, Mythen, Dramen schaffen unsere Kultur und machen in besonderem Masse Menschlichkeit aus.

So möchten wir in kurzen Jubiläumsgeschichten und -episoden erzählen, welche Institution wir geworden sind und welche Bildungsverständnisse und bildungspolitischen Entscheide unsere Schule(n) geprägt haben. Diese Erinnerungen sollen uns helfen, bewusst entscheiden zu können, in welche Richtung wir uns als Mittelschule weiterentwickeln wollen.

 

1878

Einem Dokument von 1944 ist zu entnehmen, dass bereits 1878 von der Lehrerschaft des Progymnasiums Thun eine Eingabe zur Errichtung eines Thuner Gymnasiums an die Stadt Thun gemacht wurde. Wenn man bedenkt, dass das Progymnasium Thun die Nachfolge der ehemaligen Lateinschule angetreten hat und diese zwischen 1531 und 1798 im damaligen alten Kantonsteil die einzige Schule ausserhalb der Hauptstadt war, die auf den Übertritt an die Universität in Bern vorbereitete, scheint der Vorstoss vor mittlerweile 140 Jahren durchaus berechtigt. Allerdings liess die Realisierung noch geraume Zeit auf sich warten.

Der Ansprache von Gemeinderat Burren anlässlich der Einweihung des Thuner Gymnasiums im Jahre 1953 ist zu entnehmen, dass 1878 die Stadt Thun die finanzielle Belastung eines Projekts Gymnasium nicht tragen konnte, da die finanziellen Verpflichtungen, die der Stadt aus der Übernahme des Thunerhofs erwachsen waren, zu viele Mittel in Anspruch nahmen. Später wurde das Projekt Gymnasium wegen der Verlegungen des Bahnhofs bzw. des Schlachthofs zurückgestellt.

Erwähnenswert erscheint mir, dass sich nicht nur das Progymnasium Thun für die Errichtung eines Gymnasiums engagierte, sondern dass eine Initiative des Handwerker- und Gewerbevereins 1916 dazu führte, dass die Thuner Regierung mit dem Anliegen erstmals an die kantonale Regierung gelangte.

Doch erst 1953 (75 Jahre nach der ersten Initiative des Progymnasiums)  konnten die ersten Schülerinnen und Schüler ihre Gymerzeit in der Gewerbeschule Thun beginnen und ein Jahr später in die Gebäude des Progymnasiums einziehen, die seit einer Volksabstimmung anno 1927 für den gymnasialen Unterricht bestimmt waren.

 

1918

Der zweite Strang unserer Schulgeschichte führt uns zurück zum allerersten staatlichen Lehrerinnenseminar der Schweiz, von 1839 bis 1918 im Hindelbanker Pfarrhaus untergebracht als Provisorium, das sage und schreibe 79 Jahre Bestand hielt!

Erst vor genau 100 Jahren – anno 1918 – zügelte die Schule nach Thun, hatte aber immer noch kein richtiges Schulgebäude, nachdem der damalige Thuner Erziehungsdirektor Ernst Lohner, entschieden hatte, für das Lehrerinnenseminar endlich eine definitive Lösung ausserhalb eines Pfarrhauses zu suchen, wen wundert‘s – natürlich am liebsten in Thun, zunächst in der Pension Jungfrau auf dem Areal der heutigen Klinik Hohmad.

Man fragte sich, ob man eines der nach dem Krieg leerstehenden Luxushotels rund um den Thunersee in Anspruch nehmen oder einen Neubau planen sollte. Aber der Kantonsbaumeister meinte 1921 bei der Begutachtung des Hotel du Parc in Gunten: «Werden die Elevinnen, die drei Jahre in einem solchen Luxusbau zugebracht und sich an alle die Comoditäten gewöhnt haben, geneigt sein, auf irgend einem abgelegenen Bauerndorf als Volksschullehrerin auf das alles wieder zu verzichten?»

Man entschied sich für den Neubau, der in einer Zeit der Krise Arbeitsplätze schuf. Am 26. Oktober 1923, vor 95 Jahren, wird das heutige Hauptgebäude eingeweiht umgeben von einem schönen, grosszügigen Park, durch den wir in der freien Zeit immer wieder lustwandeln können.

Vergleichen wir die Institutionsgeschichte des Lehrerinnenseminars kurz mit derjenigen des Lehrerseminars, bemerken wir ohne Überraschung, dass die Lösung für die Männer weniger Zeit in Anspruch nahm: Das staatliche Seminar wurde 1833 gegründet (5 Jahre vor dem Lehrerinnenseminar). Und den definitiven Standort erhielt es bereits 1883, nach dem Umzug von Münchenbuchsee nach Hofwil (d.h. 35 Jahre früher).

 

1948

1948 beginnt ein knapp 20 Jahre dauerndes pädagogisches Experiment am Lehrerinnenseminar: die notenfreie Beurteilung (bis 1967): Der damalige Direktor J. R. Schmid schreibt dazu in einem Brief an die Eltern folgende Begründung: «Unsere Lehrerkonferenz ist sich einig in der Erfahrung, dass im allgemeinen Arbeitseinstellung und Betragen unserer Schülerinnen so sind, dass sie den Druck durch die Zeugnisnote nicht erforderlich machen und dass dort, wo ein gewisses «Antreiben» nötig und aussichtsvoll ist, dieses Ziel besser mit der freien Beeinflussung der Schülerin durch den einzelnen Lehrer erreicht werden könnte als mit der Zeugnisnote. Und schliesslich liessen wir uns von dem Gedanken leiten, dass wir unsere Schülerinnen auf einen Beruf einzuführen haben, in dem die äussere Kontrolle der Arbeitsleistung weitgehend dahinfällt: deshalb ist die Erziehung zur Selbstverantwortung auf den Lehrerinnenberuf besonders wichtig … Eine sichere und fortlaufende Kontrolle bleibt jedoch gewährleistet durch das Schülerinnenblatt, welches auch die Grundlage für die Orientierung der Eltern bildet.»

Der damalige Versuch wurde zunächst auf drei Jahre befristet. Das Lehrerseminar Hofwil beanstandete damals dieses Experiment nicht, aber es wurde aus einer nur kurz gefassten Antwort ersichtlich, dass es nicht denselben Weg einschlagen wollte.

Neben dem halbjährlich geführten Schülerinnenblatt gab es ein so genanntes «Seelenstündchen», während dem der Direktor mit den einzelnen Seminaristinnen Fleiss und Arbeitshaltung besprach. Der Versuch wurde verlängert. Aber doch bereitete das reformpädagogische Projekt Schwierigkeiten: Schülerinnen erhalten 4 Jahre lang keine Bewertung und sind am Schluss zum Teil über die Qualifikationen erstaunt. Die Eltern werden nie richtig orientiert. Die Eintragungen in die Kontrollhefte sind zu 85 Prozent notenähnlich. So wurde 1967 (!) der Versuch abgebrochen. Auf eine fixe Promotionsordnung wurde aber weiterhin verzichtet. Unvergessen ist der Fall jener Seminaristin, die nicht unbedingt mit genügenden Leistungen glänzte, aber bei einer Exkursion beim Kalben einer Kuh auf offener Weide entschieden zur Tat schritt und damit dem Bauer half, den Schaden einer Fehlgeburt abzuwenden. Ihr wurde wegen dieser mutigen Tat die Promotion zugestanden.

Fazit: Mit der Einführung der Jahrespromotion kommen uns die einen oder anderen Aspekte dieses Schulversuchs bekannt vor. Eine kritische Reflexion der Bedeutung der Note und ihrer tatsächlichen oder nur scheinbaren Exaktheit ist sicherlich immer wieder nötig, gerade heute angesichts des Versuchs, der vor genau 70 Jahren startete.

 

1953

Die Gründung des Gymnasiums Thun veranschaulicht das Protokoll der ersten Kollegiumssitzung vom 13. März 1953 (kurz bevor damals im Frühling das Schuljahr begann). Die Anzahl Lehrpersonen an dieser Sitzung im Hotel Falken war sehr überschaubar.

Zwanzig Jahre später blickt Rektor Studer mit folgenden Worten auf das Gründungsjahr zurück: «Am 20. April 1953, an einem strahlenden, warmen Frühlingsnachmittag, fand im Rittersaal des Schlosses Thun die Einweihung des neuen Gymnasiums statt. Aller Blicke und Gedanken waren nach einer kurzen Rückschau erwartungsvoll und hoffnungsfroh in die Zukunft gerichtet. Und am folgenden Tage, am 21. April, begann der erste Schultag. […] Die ganze erste Zeit des Gymnasiums hatte etwas im besten Sinne Provisorisches, das Offene, Anfängliche des noch in keiner Weise Festgelegten, das in ständiger Bewegung nach einem künftigen Ziele sich befindet. Mit frischem Zuge blies der Wind, und mit vollen Segeln fuhren wir in das erregende Abenteuer der Verwirklichung vieler neuer Pläne. Der ganze Schulbetrieb stand unter dem Zauber des Neubeginnes, und jeder Einzelne gab sich diesem Genusse hin; bei allem, was er tat, war es das erste Mal, dass er es tat. Das gab den Stunden die Frische des Neuartigen.»

Fazit: Gewisse bildungspolitische Entscheide, vor allem wenn sie Bauten und Standorte betreffen, benötigen im Kanton Bern viel Zeit. So gesehen haben neuere Leidensgeschichten wie die zehnjährige um die atelier5-Bauten, die 25-jährige um die Turnanlage (Frutigenstrasse), die fünfjährige um den Südbau und die seit Jahren hinausgezögerte Renovation des Seefeld-Areals politische Tradition. Ich erlaube mir allerdings die Frage, ob wirklich alle Traditionen zwingend gepflegt werden müssen.

 

1978

Vor genau 40 Jahren wurde das eigene Gebäude am heutigen Standort Schadau eingeweiht. Mit einem gewissen Stolz wies der damalige Rektor des Thuner Gymnasiums, Hermann Buchs, unter dem Titel «Ein Vierteljahrhundert Gymnasium Thun» auf die Eigenarten unserer Schule hin: Er erwähnt das Kurzzeitgymnasium (ab Tertia), das in Thun 1953 gegen den Widerstand der eidgenössischen Maturitätskommission erstmals eingeführt wurde, ebenso den unterrichtsfreien Donnerstag und die in Thun einzigartigen Ergänzungskurse. Auch, so Buchs weiter, hätten sich alle 1953 unter dem ersten Rektor, Erich Studer, eingeführten Neuerungen bewährt, und keine habe aufgegeben werden müssen. Vorbehalte äussert Rektor Buchs 1978 bezüglich der am Horizont auftauchenden Veränderungsbestrebungen, und er gibt zu bedenken: «Die Schule darf für alle Beteiligten eine gewisse Belastung darstellen, da sie nur so auf die Zeit danach vorbereitet. Was ihr aber gar nicht gut bekommt, sind Unruhe, Unsicherheit und Veränderungen, die von aussen gesehen vielleicht als Fortschritt, in Anbetracht aller Begleitumstände aber ebenso sehr als fragwürdig erscheinen.»

1980 konnte dem Gymnasium eine angegliedert werden, was eine wertvolle Ergänzung der Ausbildungsmöglichkeiten für die Oberländer Jugend und eine Bereicherung für unsere Schulkultur darstellte. Und schnell baute man den ersten Pavillon, damit für das damals bloss vierreihige Gymnasium noch genügend Platz mit überschaubarer Zimmerbelegung blieb.

1978 – Die Schweizer Bevölkerungszahl wuchs, die Schulen wuchsen: das heisst neue Seminarien (Lerbermatt, Biel, Spiez, Langenthal) wurden gegründet und unsere eigene Schule sollte ausgebaut werden, um für mehr SeminaristInnen Platz zu bieten und die werdenden WerklehrerInnen kompetent unterrichten zu können. 1977 wurde ein Wettbewerb zur Erweiterung des Seminars mit Werkhaus und zweiter Turnhalle ausgeschrieben. Die Eingabe des Atelier5 gewann – und 1978, vor 40 Jahren – lagen die detaillierten Ergebnisse der Planung vor: Hauptmerkmal der dezentralen Architektur ist die dörfliche Atmosphäre, die der Campus bietet. Die Hauptachse mit Kies und Lindenallee lädt ein, stehen zu bleiben und sich miteinander zu unterhalten. Die ersten Detailpläne stimmen aber nicht mit der Realisierung überein. Der grosszügige Park der Villa Séquin hätte schon damals verdichtet werden sollen. Aber durch Einsprachen und Blockaden der Nachbarschaft, bis vors Bundesgericht, verzögern und ändern sich die Pläne, bis die neuen Gebäude 1986 in Betrieb genommen werden können. Die reichlich seltsame Schule, wie sie von den atelier 5-Architekten genannt wird, gewinnt aber auch so, trotz einiger baulicher Mängel, unter denen wir immer noch leiden, verschiedene Preise und versprüht bis heute den Charme der Überschaubarkeit, Gemütlichkeit und vermeidet die optische Assoziation Schule = Wissensvermittlungsfabrik.

Fazit als Vision: Vielleicht können wir als Kollegium in die zukünftigen Bauprojekte etwas von dieser campusartigen, pädagogisch wertvollen Atmosphäre einbringen und realisieren.

1978 ist in weiterer Hinsicht ein denkwürdiges Jahr: Am Seminar Thun wird die Koedukation eingeführt. Während schon ab 1957 einzelne reine Männerklassen geführt werden, begann der koedukative Seminarunterricht erst vor 40 Jahren (7 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts auf nationaler Ebene!). Das bedeutet, dass die bis dahin geltende Differenzierung von Lehrerinnen- und Lehrerseminar (Hofwil und Thun) irrelevant wird. Das heisst mit andern Worten: Bis vor 40 Jahren war man überzeugt, dass Primarlehrer eine andere Rolle und eine andere Ausbildung haben müssen als Primarlehrerinnen. F. Müller, der damalige Direktor des Seminars stellt lapidar fest: «Man kann sagen, dass durch den tiefgreifenden Wandel des Frauenbildes das Seminar Thun seine Identität zunächst verloren hat.»

Fazit: Die späte Einführung der Koedukation mag grosses Erstaunen auslösen. Gleichwohl beschäftigen uns weiterhin Genderfragen und Überlegungen zur möglichst gerechten Behandlung der verschiedenen Geschlechter. Auch wir werden dieses Thema nicht einfach los!

 

1998

Für die Mittelschulen in Thun einschneidend ist die Umsetzung der grossen eidgenössischen Maturareform (Abschaffung der Typen und Einführung der Schwerpunktfächer), gekoppelt an die Aufhebung der Seminarien, um die Lehrerbildung europakonform auf der tertiären Ebene anbieten zu können.

Im Zuge dieser Reform entstanden die beiden uns wohl vertrauten Gymnasien in Thun. Auf Seiten des Standorts Seefeld bedeutet dies, dass die Kollegien der Seminarien Spiez und Thun zusammengeführt wurden, ein Gymnasium mit musisch-pädagogischem Schwerpunkt gründeten und dass die damalige Diplommittelschule von Spiez nach Thun umzog, bevor sie 2004 in die dreijährige FMS-Ausbildung umgetauft wurde.

So feiern wir heute nicht zuletzt auch ein Jubiläum 20 Jahre DMS/FMS in Thun.

Fazit: Im Vergleich zu anderen Episoden aus unserer gemeinsamen Geschichte ist das Jahr 1998 geprägt von gesamtschweizerischen, bzw. kantonalen Entscheiden mit nur beschränkter Gestaltungsmöglichkeiten auf unserer konkreten Handlungsebene.

Auf dieser konkreten Ebene waren wir aber nicht untätig: Die Einführung der zweisprachigen Matura anno 1998 am Standort Schadau, 2001 am Standort Seefeld, hat uns nämlich zu einer Pionierschule in diesem Bereich gemacht und bereits einer grossen Zahl von Schülerinnen und Schülern neue Motivation sowie zusätzliche Einsichten und Fertigkeiten gebracht. Die Weiterentwicklung dieser Methode ist vielversprechend und liegt uns am Herzen. In diesem Jahr haben circa 50 Prozent der neuen GymnasiastInnen sich für die zweisprachige Matur entschieden, eine Klasse mit der Zeitsprache Französisch und fünf Klassen mit der Zweitsprache Englisch.

Dieses Verhältnis wird unsere Schulidentität auch weiterhin prägen.

 

2011

Nach elfjährigem Ringen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wurde vor sieben Jahren endlich der Neubau Fokus Süd am Standort Schadau eröffnet, mit Minergiestandard und lustvoller Kunst am Bau.

 

2013

Vor 5 Jahren entschied die Erziehungsdirektion, im Rahmen des ASP die beiden Thuner Gymnasien zu fusionieren.

 

2018

Die wenigen Schlaglichter (viele im Bereich Gründung von Institutionen und Bauten, und einzelne im Bereich Lehre und innere Struktur) skizzieren eine ansehnliche Geschichte unseres Thuner Gymnasiums mit FMS und WMS:

Wir erkennen unschwer Trägheit im Bereich Institutionen und Bauten (1878–1953, 1839–1923, bzw. 1977–1986), aber auch Beschleunigung (2006–2014 oder 2014–2025).

Wir erkennen eine stärkere Hierarchisierung und Verlagerung von Entscheiden im Bereich Lehre von unten (Kollegiumsprotokoll 1953, Protokolle zur notenfreien Beurteilung) nach oben (z.B. KLM).

Und wir erkennen den Trend zur Vergrösserung. Es handelt sich nicht mehr um ein paar auserlesene junge Männer für die Universität und auserlesene junge Frauen und Männer für den Lehrerberuf, sondern es geht heute um die Bildung von rund 25 Prozent der Jugendlichen am Gymnasium, an FMS, und WMS.

Wenn wir aus dem Blickwinkel des Kollegiums auf die gesamte Entwicklung schauen, unterscheiden wir die Wirkungskräfte, welche die Geschichte vorantreiben, gerne in …

… unseren (positiv gefärbten) Gestaltungswillen, unsere Interessen und Ängste (Gymnasium bauen, Seminar bauen, nicht fusionieren, Freiheit in der inneren Gestaltung erhalten, Kunst fördern, MINT fördern, digitun, etc.) und

… die externen Vorgaben, die häufig eher als einengend und negativ empfunden werden, die uns zwingen von Liebgewordenem Abschied zu nehmen, die Verwirklichung unserer Ideale gefährden und uns herausfordern.

Dass sich die Erhaltung von Bewährtem und das Vorwärtsdrängen reiben und dass die Freiheit zu gestalten gegen äussere Vorgaben und Zwänge ankämpft, entspricht unserer allgemeinen Lebenserfahrung. Diese Gegensätze prägen die Geschichte, unsere Geschichte, machen sie manchmal mühsam, oft spannend und herausfordernd. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nicht viel ändern.

Arbeiten wir also weiter an unseren Visionen und Plänen und versuchen wir, die Vorgaben in unserem Sinn zu beeinflussen. Ich wünsche uns allen einen Hauch des Gefühls, wie es anlässlich der Rede zum 20-jährigen Jubiläum des Gymnasiums Thun beschrieben wurde: «Der ganze Schulbetrieb stand unter dem Zauber des Neubeginnes.»

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Abschlussklassen

Verabschiedungen

Archiv

1878–2018: 140 Jahre Schulgeschichte


Das Gymnasium FMS WMS Thun zwischen Tradition und Zukunft, zwischen äusseren Einflüssen und innerem Gestaltungswillen. Einige Schlaglichter und Gedanken zur Geschichte unserer Schule.

 

Text Hans-Ueli Ruchti, Niklaus Schefer

 

 

Der Mensch ist ein animal narrans, ein Wesen, das gerne Geschichten erzählt. Durch Sprache und Symbole entfernen wir uns von der Gegenwart, schweifen in die Erinnerung, träumen in die Zukunft, wandeln in einer Phantasiewelt, kurz: wir können dichten.

Wenn wir Geschichten erzählen, ist der Übergang von Wahrheit zu Dichtung fliessend, wir dichten, verdichten Ereignisse, Stimmungen und Erlebnisse, damit für uns die Geschichte, die eigene Lebensgeschichte oder die Schul- und Bildungsgeschichte einen Sinn macht, einen Spannungsbogen beinhaltet. Und so wird die Geschichte auch für die Zuhörenden spannend.

Erzählen ist mehr als das Übermitteln von Informationen und Daten. Dass wir einander immer wieder Geschichten erzählen, einander beim Geschichten-Erzählen zuhören, gehört zu unserer Kultur, ja: Geschichten, Mythen, Dramen schaffen unsere Kultur und machen in besonderem Masse Menschlichkeit aus.

So möchten wir in kurzen Jubiläumsgeschichten und -episoden erzählen, welche Institution wir geworden sind und welche Bildungsverständnisse und bildungspolitischen Entscheide unsere Schule(n) geprägt haben. Diese Erinnerungen sollen uns helfen, bewusst entscheiden zu können, in welche Richtung wir uns als Mittelschule weiterentwickeln wollen.

 

1878

Einem Dokument von 1944 ist zu entnehmen, dass bereits 1878 von der Lehrerschaft des Progymnasiums Thun eine Eingabe zur Errichtung eines Thuner Gymnasiums an die Stadt Thun gemacht wurde. Wenn man bedenkt, dass das Progymnasium Thun die Nachfolge der ehemaligen Lateinschule angetreten hat und diese zwischen 1531 und 1798 im damaligen alten Kantonsteil die einzige Schule ausserhalb der Hauptstadt war, die auf den Übertritt an die Universität in Bern vorbereitete, scheint der Vorstoss vor mittlerweile 140 Jahren durchaus berechtigt. Allerdings liess die Realisierung noch geraume Zeit auf sich warten.

Der Ansprache von Gemeinderat Burren anlässlich der Einweihung des Thuner Gymnasiums im Jahre 1953 ist zu entnehmen, dass 1878 die Stadt Thun die finanzielle Belastung eines Projekts Gymnasium nicht tragen konnte, da die finanziellen Verpflichtungen, die der Stadt aus der Übernahme des Thunerhofs erwachsen waren, zu viele Mittel in Anspruch nahmen. Später wurde das Projekt Gymnasium wegen der Verlegungen des Bahnhofs bzw. des Schlachthofs zurückgestellt.

Erwähnenswert erscheint mir, dass sich nicht nur das Progymnasium Thun für die Errichtung eines Gymnasiums engagierte, sondern dass eine Initiative des Handwerker- und Gewerbevereins 1916 dazu führte, dass die Thuner Regierung mit dem Anliegen erstmals an die kantonale Regierung gelangte.

Doch erst 1953 (75 Jahre nach der ersten Initiative des Progymnasiums)  konnten die ersten Schülerinnen und Schüler ihre Gymerzeit in der Gewerbeschule Thun beginnen und ein Jahr später in die Gebäude des Progymnasiums einziehen, die seit einer Volksabstimmung anno 1927 für den gymnasialen Unterricht bestimmt waren.

 

1918

Der zweite Strang unserer Schulgeschichte führt uns zurück zum allerersten staatlichen Lehrerinnenseminar der Schweiz, von 1839 bis 1918 im Hindelbanker Pfarrhaus untergebracht als Provisorium, das sage und schreibe 79 Jahre Bestand hielt!

Erst vor genau 100 Jahren – anno 1918 – zügelte die Schule nach Thun, hatte aber immer noch kein richtiges Schulgebäude, nachdem der damalige Thuner Erziehungsdirektor Ernst Lohner, entschieden hatte, für das Lehrerinnenseminar endlich eine definitive Lösung ausserhalb eines Pfarrhauses zu suchen, wen wundert‘s – natürlich am liebsten in Thun, zunächst in der Pension Jungfrau auf dem Areal der heutigen Klinik Hohmad.

Man fragte sich, ob man eines der nach dem Krieg leerstehenden Luxushotels rund um den Thunersee in Anspruch nehmen oder einen Neubau planen sollte. Aber der Kantonsbaumeister meinte 1921 bei der Begutachtung des Hotel du Parc in Gunten: «Werden die Elevinnen, die drei Jahre in einem solchen Luxusbau zugebracht und sich an alle die Comoditäten gewöhnt haben, geneigt sein, auf irgend einem abgelegenen Bauerndorf als Volksschullehrerin auf das alles wieder zu verzichten?»

Man entschied sich für den Neubau, der in einer Zeit der Krise Arbeitsplätze schuf. Am 26. Oktober 1923, vor 95 Jahren, wird das heutige Hauptgebäude eingeweiht umgeben von einem schönen, grosszügigen Park, durch den wir in der freien Zeit immer wieder lustwandeln können.

Vergleichen wir die Institutionsgeschichte des Lehrerinnenseminars kurz mit derjenigen des Lehrerseminars, bemerken wir ohne Überraschung, dass die Lösung für die Männer weniger Zeit in Anspruch nahm: Das staatliche Seminar wurde 1833 gegründet (5 Jahre vor dem Lehrerinnenseminar). Und den definitiven Standort erhielt es bereits 1883, nach dem Umzug von Münchenbuchsee nach Hofwil (d.h. 35 Jahre früher).

 

1948

1948 beginnt ein knapp 20 Jahre dauerndes pädagogisches Experiment am Lehrerinnenseminar: die notenfreie Beurteilung (bis 1967): Der damalige Direktor J. R. Schmid schreibt dazu in einem Brief an die Eltern folgende Begründung: «Unsere Lehrerkonferenz ist sich einig in der Erfahrung, dass im allgemeinen Arbeitseinstellung und Betragen unserer Schülerinnen so sind, dass sie den Druck durch die Zeugnisnote nicht erforderlich machen und dass dort, wo ein gewisses «Antreiben» nötig und aussichtsvoll ist, dieses Ziel besser mit der freien Beeinflussung der Schülerin durch den einzelnen Lehrer erreicht werden könnte als mit der Zeugnisnote. Und schliesslich liessen wir uns von dem Gedanken leiten, dass wir unsere Schülerinnen auf einen Beruf einzuführen haben, in dem die äussere Kontrolle der Arbeitsleistung weitgehend dahinfällt: deshalb ist die Erziehung zur Selbstverantwortung auf den Lehrerinnenberuf besonders wichtig … Eine sichere und fortlaufende Kontrolle bleibt jedoch gewährleistet durch das Schülerinnenblatt, welches auch die Grundlage für die Orientierung der Eltern bildet.»

Der damalige Versuch wurde zunächst auf drei Jahre befristet. Das Lehrerseminar Hofwil beanstandete damals dieses Experiment nicht, aber es wurde aus einer nur kurz gefassten Antwort ersichtlich, dass es nicht denselben Weg einschlagen wollte.

Neben dem halbjährlich geführten Schülerinnenblatt gab es ein so genanntes «Seelenstündchen», während dem der Direktor mit den einzelnen Seminaristinnen Fleiss und Arbeitshaltung besprach. Der Versuch wurde verlängert. Aber doch bereitete das reformpädagogische Projekt Schwierigkeiten: Schülerinnen erhalten 4 Jahre lang keine Bewertung und sind am Schluss zum Teil über die Qualifikationen erstaunt. Die Eltern werden nie richtig orientiert. Die Eintragungen in die Kontrollhefte sind zu 85 Prozent notenähnlich. So wurde 1967 (!) der Versuch abgebrochen. Auf eine fixe Promotionsordnung wurde aber weiterhin verzichtet. Unvergessen ist der Fall jener Seminaristin, die nicht unbedingt mit genügenden Leistungen glänzte, aber bei einer Exkursion beim Kalben einer Kuh auf offener Weide entschieden zur Tat schritt und damit dem Bauer half, den Schaden einer Fehlgeburt abzuwenden. Ihr wurde wegen dieser mutigen Tat die Promotion zugestanden.

Fazit: Mit der Einführung der Jahrespromotion kommen uns die einen oder anderen Aspekte dieses Schulversuchs bekannt vor. Eine kritische Reflexion der Bedeutung der Note und ihrer tatsächlichen oder nur scheinbaren Exaktheit ist sicherlich immer wieder nötig, gerade heute angesichts des Versuchs, der vor genau 70 Jahren startete.

 

1953

Die Gründung des Gymnasiums Thun veranschaulicht das Protokoll der ersten Kollegiumssitzung vom 13. März 1953 (kurz bevor damals im Frühling das Schuljahr begann). Die Anzahl Lehrpersonen an dieser Sitzung im Hotel Falken war sehr überschaubar.

Zwanzig Jahre später blickt Rektor Studer mit folgenden Worten auf das Gründungsjahr zurück: «Am 20. April 1953, an einem strahlenden, warmen Frühlingsnachmittag, fand im Rittersaal des Schlosses Thun die Einweihung des neuen Gymnasiums statt. Aller Blicke und Gedanken waren nach einer kurzen Rückschau erwartungsvoll und hoffnungsfroh in die Zukunft gerichtet. Und am folgenden Tage, am 21. April, begann der erste Schultag. […] Die ganze erste Zeit des Gymnasiums hatte etwas im besten Sinne Provisorisches, das Offene, Anfängliche des noch in keiner Weise Festgelegten, das in ständiger Bewegung nach einem künftigen Ziele sich befindet. Mit frischem Zuge blies der Wind, und mit vollen Segeln fuhren wir in das erregende Abenteuer der Verwirklichung vieler neuer Pläne. Der ganze Schulbetrieb stand unter dem Zauber des Neubeginnes, und jeder Einzelne gab sich diesem Genusse hin; bei allem, was er tat, war es das erste Mal, dass er es tat. Das gab den Stunden die Frische des Neuartigen.»

Fazit: Gewisse bildungspolitische Entscheide, vor allem wenn sie Bauten und Standorte betreffen, benötigen im Kanton Bern viel Zeit. So gesehen haben neuere Leidensgeschichten wie die zehnjährige um die atelier5-Bauten, die 25-jährige um die Turnanlage (Frutigenstrasse), die fünfjährige um den Südbau und die seit Jahren hinausgezögerte Renovation des Seefeld-Areals politische Tradition. Ich erlaube mir allerdings die Frage, ob wirklich alle Traditionen zwingend gepflegt werden müssen.

 

1978

Vor genau 40 Jahren wurde das eigene Gebäude am heutigen Standort Schadau eingeweiht. Mit einem gewissen Stolz wies der damalige Rektor des Thuner Gymnasiums, Hermann Buchs, unter dem Titel «Ein Vierteljahrhundert Gymnasium Thun» auf die Eigenarten unserer Schule hin: Er erwähnt das Kurzzeitgymnasium (ab Tertia), das in Thun 1953 gegen den Widerstand der eidgenössischen Maturitätskommission erstmals eingeführt wurde, ebenso den unterrichtsfreien Donnerstag und die in Thun einzigartigen Ergänzungskurse. Auch, so Buchs weiter, hätten sich alle 1953 unter dem ersten Rektor, Erich Studer, eingeführten Neuerungen bewährt, und keine habe aufgegeben werden müssen. Vorbehalte äussert Rektor Buchs 1978 bezüglich der am Horizont auftauchenden Veränderungsbestrebungen, und er gibt zu bedenken: «Die Schule darf für alle Beteiligten eine gewisse Belastung darstellen, da sie nur so auf die Zeit danach vorbereitet. Was ihr aber gar nicht gut bekommt, sind Unruhe, Unsicherheit und Veränderungen, die von aussen gesehen vielleicht als Fortschritt, in Anbetracht aller Begleitumstände aber ebenso sehr als fragwürdig erscheinen.»

1980 konnte dem Gymnasium eine angegliedert werden, was eine wertvolle Ergänzung der Ausbildungsmöglichkeiten für die Oberländer Jugend und eine Bereicherung für unsere Schulkultur darstellte. Und schnell baute man den ersten Pavillon, damit für das damals bloss vierreihige Gymnasium noch genügend Platz mit überschaubarer Zimmerbelegung blieb.

1978 – Die Schweizer Bevölkerungszahl wuchs, die Schulen wuchsen: das heisst neue Seminarien (Lerbermatt, Biel, Spiez, Langenthal) wurden gegründet und unsere eigene Schule sollte ausgebaut werden, um für mehr SeminaristInnen Platz zu bieten und die werdenden WerklehrerInnen kompetent unterrichten zu können. 1977 wurde ein Wettbewerb zur Erweiterung des Seminars mit Werkhaus und zweiter Turnhalle ausgeschrieben. Die Eingabe des Atelier5 gewann – und 1978, vor 40 Jahren – lagen die detaillierten Ergebnisse der Planung vor: Hauptmerkmal der dezentralen Architektur ist die dörfliche Atmosphäre, die der Campus bietet. Die Hauptachse mit Kies und Lindenallee lädt ein, stehen zu bleiben und sich miteinander zu unterhalten. Die ersten Detailpläne stimmen aber nicht mit der Realisierung überein. Der grosszügige Park der Villa Séquin hätte schon damals verdichtet werden sollen. Aber durch Einsprachen und Blockaden der Nachbarschaft, bis vors Bundesgericht, verzögern und ändern sich die Pläne, bis die neuen Gebäude 1986 in Betrieb genommen werden können. Die reichlich seltsame Schule, wie sie von den atelier 5-Architekten genannt wird, gewinnt aber auch so, trotz einiger baulicher Mängel, unter denen wir immer noch leiden, verschiedene Preise und versprüht bis heute den Charme der Überschaubarkeit, Gemütlichkeit und vermeidet die optische Assoziation Schule = Wissensvermittlungsfabrik.

Fazit als Vision: Vielleicht können wir als Kollegium in die zukünftigen Bauprojekte etwas von dieser campusartigen, pädagogisch wertvollen Atmosphäre einbringen und realisieren.

1978 ist in weiterer Hinsicht ein denkwürdiges Jahr: Am Seminar Thun wird die Koedukation eingeführt. Während schon ab 1957 einzelne reine Männerklassen geführt werden, begann der koedukative Seminarunterricht erst vor 40 Jahren (7 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts auf nationaler Ebene!). Das bedeutet, dass die bis dahin geltende Differenzierung von Lehrerinnen- und Lehrerseminar (Hofwil und Thun) irrelevant wird. Das heisst mit andern Worten: Bis vor 40 Jahren war man überzeugt, dass Primarlehrer eine andere Rolle und eine andere Ausbildung haben müssen als Primarlehrerinnen. F. Müller, der damalige Direktor des Seminars stellt lapidar fest: «Man kann sagen, dass durch den tiefgreifenden Wandel des Frauenbildes das Seminar Thun seine Identität zunächst verloren hat.»

Fazit: Die späte Einführung der Koedukation mag grosses Erstaunen auslösen. Gleichwohl beschäftigen uns weiterhin Genderfragen und Überlegungen zur möglichst gerechten Behandlung der verschiedenen Geschlechter. Auch wir werden dieses Thema nicht einfach los!

 

1998

Für die Mittelschulen in Thun einschneidend ist die Umsetzung der grossen eidgenössischen Maturareform (Abschaffung der Typen und Einführung der Schwerpunktfächer), gekoppelt an die Aufhebung der Seminarien, um die Lehrerbildung europakonform auf der tertiären Ebene anbieten zu können.

Im Zuge dieser Reform entstanden die beiden uns wohl vertrauten Gymnasien in Thun. Auf Seiten des Standorts Seefeld bedeutet dies, dass die Kollegien der Seminarien Spiez und Thun zusammengeführt wurden, ein Gymnasium mit musisch-pädagogischem Schwerpunkt gründeten und dass die damalige Diplommittelschule von Spiez nach Thun umzog, bevor sie 2004 in die dreijährige FMS-Ausbildung umgetauft wurde.

So feiern wir heute nicht zuletzt auch ein Jubiläum 20 Jahre DMS/FMS in Thun.

Fazit: Im Vergleich zu anderen Episoden aus unserer gemeinsamen Geschichte ist das Jahr 1998 geprägt von gesamtschweizerischen, bzw. kantonalen Entscheiden mit nur beschränkter Gestaltungsmöglichkeiten auf unserer konkreten Handlungsebene.

Auf dieser konkreten Ebene waren wir aber nicht untätig: Die Einführung der zweisprachigen Matura anno 1998 am Standort Schadau, 2001 am Standort Seefeld, hat uns nämlich zu einer Pionierschule in diesem Bereich gemacht und bereits einer grossen Zahl von Schülerinnen und Schülern neue Motivation sowie zusätzliche Einsichten und Fertigkeiten gebracht. Die Weiterentwicklung dieser Methode ist vielversprechend und liegt uns am Herzen. In diesem Jahr haben circa 50 Prozent der neuen GymnasiastInnen sich für die zweisprachige Matur entschieden, eine Klasse mit der Zeitsprache Französisch und fünf Klassen mit der Zweitsprache Englisch.

Dieses Verhältnis wird unsere Schulidentität auch weiterhin prägen.

 

2011

Nach elfjährigem Ringen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wurde vor sieben Jahren endlich der Neubau Fokus Süd am Standort Schadau eröffnet, mit Minergiestandard und lustvoller Kunst am Bau.

 

2013

Vor 5 Jahren entschied die Erziehungsdirektion, im Rahmen des ASP die beiden Thuner Gymnasien zu fusionieren.

 

2018

Die wenigen Schlaglichter (viele im Bereich Gründung von Institutionen und Bauten, und einzelne im Bereich Lehre und innere Struktur) skizzieren eine ansehnliche Geschichte unseres Thuner Gymnasiums mit FMS und WMS:

Wir erkennen unschwer Trägheit im Bereich Institutionen und Bauten (1878–1953, 1839–1923, bzw. 1977–1986), aber auch Beschleunigung (2006–2014 oder 2014–2025).

Wir erkennen eine stärkere Hierarchisierung und Verlagerung von Entscheiden im Bereich Lehre von unten (Kollegiumsprotokoll 1953, Protokolle zur notenfreien Beurteilung) nach oben (z.B. KLM).

Und wir erkennen den Trend zur Vergrösserung. Es handelt sich nicht mehr um ein paar auserlesene junge Männer für die Universität und auserlesene junge Frauen und Männer für den Lehrerberuf, sondern es geht heute um die Bildung von rund 25 Prozent der Jugendlichen am Gymnasium, an FMS, und WMS.

Wenn wir aus dem Blickwinkel des Kollegiums auf die gesamte Entwicklung schauen, unterscheiden wir die Wirkungskräfte, welche die Geschichte vorantreiben, gerne in …

… unseren (positiv gefärbten) Gestaltungswillen, unsere Interessen und Ängste (Gymnasium bauen, Seminar bauen, nicht fusionieren, Freiheit in der inneren Gestaltung erhalten, Kunst fördern, MINT fördern, digitun, etc.) und

… die externen Vorgaben, die häufig eher als einengend und negativ empfunden werden, die uns zwingen von Liebgewordenem Abschied zu nehmen, die Verwirklichung unserer Ideale gefährden und uns herausfordern.

Dass sich die Erhaltung von Bewährtem und das Vorwärtsdrängen reiben und dass die Freiheit zu gestalten gegen äussere Vorgaben und Zwänge ankämpft, entspricht unserer allgemeinen Lebenserfahrung. Diese Gegensätze prägen die Geschichte, unsere Geschichte, machen sie manchmal mühsam, oft spannend und herausfordernd. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nicht viel ändern.

Arbeiten wir also weiter an unseren Visionen und Plänen und versuchen wir, die Vorgaben in unserem Sinn zu beeinflussen. Ich wünsche uns allen einen Hauch des Gefühls, wie es anlässlich der Rede zum 20-jährigen Jubiläum des Gymnasiums Thun beschrieben wurde: «Der ganze Schulbetrieb stand unter dem Zauber des Neubeginnes.»

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