Editorial

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Auf nach Cuernavaca!


Seit dem Schuljahr 2014/15 führt das Gymnasium Thun jährlich ein Austauschprojekt mit der Schweizer Schule in Cuernavaca, rund 85 Kilometer südlich von Mexiko City gelegen, durch.

 

Text Ella Lory, 19gR, und Emilio Cuen, 20gP

Bilder ?

 

Dabei nimmt eine Schülerin des SF Spanisch (bis anhin haben nur Schülerinnen soviel Mut bewiesen) und deren Familie einen Gastschüler oder eine Gastschülerin aus Mexiko während eines Sommersemesters bei sich zuhause auf und darf dann im Gegenzug während des ersten Quartals der Sekunda mexikanische Schulluft schnuppern und ganz in die mexikanische Kultur eintauchen und dabei natürlich, die bereits erlernten Spanischkenntnisse anwenden. Im folgenden berichten Ella Lory (19gR) und Emilio Cuen (20gP) von ihren Erfahrungen in der Ferne.

 

¡Viva México!

Noch gut kann ich, Ella Lory, mich an den Tag erinnern, an dem alles anfing. Nach der Ankunft am Flughafen hiess es Spanisch sprechen, so lautete die Abmachung zwischen meinem Gastbruder Sebastian, der zuvor ein halbes Jahr bei uns gelebt hatte, und mir. Anfangs war es noch schwer, doch schon bald fing ich an, mich daran zu gewöhnen.

Küsschen, herzliche Umarmungen und freudenstrahlende Gesichter: Wir waren endgültig in Cuernavaca, Mexiko, angekommen. Die Familie Ortega nahm mich mit offenen Armen auf und erleichterte mir so vieles.

Rückblickend war die erste Woche die anspruchsvollste. Alles war noch neu, anders als gewohnt und auch der Wechsel in eine andere Sprache brauchte mehr Energie als erwartet.

Nach einer knappen Woche ging die Reise weiter, es standen Ferien in Cancún am karibischen Ozean auf dem Plan. Türkisblaue Sandstrände, Palmendächer und magische Sonnenuntergänge wie aus dem Bilderbuch erwarteten uns. In dieser Woche machte ich, vom Entspannen am Pool bis mit den Fischen Tauchen, fast alles. Zudem konnte ich erstmals mit meiner Gastfamilie richtige Gespräche führen, neue Freundschaften knüpfen und meine Spanischkenntnisse anwenden und vertiefen.

Zurück in Cuernavaca folgten mehrere Partys, Treffen mit Familien und Freunden und ich lernte das Umfeld von Sebastian und seiner Familie kennen. Dies kam mir einige Wochen später an meinem ersten Schultag zugute, denn da kannte ich bereits mehr als die Hälfte der Klasse und somit war die erste Hürde überwunden.

Während der Schulzeit war ich häufig mit meinen neu gewonnenen Freunden unterwegs und konnte, was mich sehr freute, außerdem einem Volleyballverein beitreten und meiner Leidenschaft auch in Mexiko nachgehen. Von nun an vergingen die Wochen wie im Fluge und ich war endgültig im mexikanischen Alltag angekommen. Am Wochenende machten wir jeweils einen Ausflug in eine nahegelegene Stadt, darunter auch Mexiko City, oder in ein Dorf, wobei ich noch mehr vom Land und seinen Kulturen erfahren durfte.

Ebenfalls hatte ich das Glück, dass während meines Aufenthalts der Unabhängigkeitstag Mexikos gefeiert wurde. Dazu gehörte auch die berühmte Rede «el grito» (der Schrei), bekannt für die Worte «Viva Mexico! Viva la independencia!». Beeindruckend!

Ungewohnt war für mich, dass ich nicht einfach das Haus verlassen und auf eigene Faust etwas unternehmen konnte. Nein, egal was ich tun und machen wollte, ich musste immer gefahren werden oder man musste mindestens zu zweit ein Taxi oder besser noch einen Uber nehmen. Deshalb war ich fast nie alleine. Am Anfang war das kein Problem. Mit der Zeit fing ich jedoch an, die Freiheiten, die wir in der Schweiz haben, zu vermissen und in mir drängte sich immer mehr der Wunsch auf, nur einmal etwas für mich alleine unternehmen zu können.

Doch was in den letzten beiden Wochen meines Aufenthaltes noch alles geschah, hätte ich nie erwartet: alles zitterte, die Tische und Stühle begannen zu wackeln, erschrockene Gesichter. Ein Erdbeben, eines der Stärksten der letzten hundert Jahre. Glücklicherweise blieben alle heil, dennoch konnten wir die restliche Woche und die darauffolgende nicht zur Schule gehen. Dafür unterstützten ich und meine Freunde Hilfsorganisationen wie das rote Kreuz dabei, Essen, Getränke, Hygieneartikel und vieles mehr zu sammeln, zu sortieren, in die Dörfer zu bringen und zu verteilen. Die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, werde ich niemals vergessen.

Plötzlich war schon der letzte Tag gekommen: ein letztes gemeinsames Frühstück und schon nahte der Abschied.

Zuhause kam ich überglücklich und voller neuer Eindrücke und Erkenntnisse an, wie ich sie sonst nie gewonnen hätte. Ich kann jedem empfehlen, einen Austauschaufenthalt zu machen. So lange alleine wegzugehen, mag zuerst schwer erscheinen, doch wenn man den nötigen Mut aufbringt, lohnt es sich wirklich!

Wer mehr über meinen Austausch erfahren möchte, besucht meinen Blog: Blog Mexiko

 

Grüessech, Schweiz!

Ich, Emilio Cuen, bin im Januar in die Schweiz gekommen und blieb bis Juli 2018. Jetzt bin ich 17 Jahre alt. Ich wohnte bei meiner Gastfamilie in Gurzelen, ein kleines Dorf neben Uetendorf und Seftigen. In Mexiko gehe ich in eine Schweizer Schule, darum kann ich Deutsch sprechen und schreiben. Einer der wichtigsten Gründe für den Austausch war, mein Deutsch zu verbessern.

Am Anfang war alles total anders als in Mexiko. Die Sprache zum Beispiel war etwas, das ich nicht im Griff hatte. In Mexiko dachte, ich, der Schweizer Dialekt sei nicht so anders als Hochdeutsch. Aber das erste Mal, als ich Schweizerdeutsch hörte, sass ich im Flugzeug von Madrid nach Basel. Da dachte ich: «Welche Sprache ist das? Das ist sicher Russisch oder so etwas», aber nein, es war kein Russisch, sondern Walliser Dialekt.

Meine erste Woche hier war ein bisschen schwierig, ich kannte nichts. Alles war neu für mich und das Wetter war äusserst kalt. Aber mit der Hilfe meiner Gastfamilie, den Grünigs, habe ich langsam alles gelernt.

In der Schule waren alle sehr nett zu mir, aber es war nicht einfach, nur Deutsch zu reden. Dank meiner Gastfamilie habe ich viele Leute kennengelernt, die mir geholfen haben. Jetzt habe ich viele Freunde, die ich niemals vergessen werde.

Am Ende meines Aufenthaltes hat sich vieles verändert: Ich kann sagen, ich kenne die Schweiz sehr gut. Ich bin häufig gereist und habe in fast jedem Kanton Erfahrungen gemacht. Einmal im Zug nach Zürich hat jemand des Zugpersonals zu mir «Grüessech» gesagt. Und ich habe mit «Ade» geantwortet.

In der Schweiz sind die Menschen anders als in Mexiko; organisierter und manchmal auch distanzierter. Aber alle waren immer sehr warmherzig zu mir. Alle diese Erfahrungen werde ich niemals vergessen, die Schweiz ist ein Teil von mir geworden und hat mich geprägt.

Ich bin sehr dankbar für alle diese Erfahrungen und dafür, dass ich so gute Freunde gefunden habe. Sicher würde ich diesen Austausch noch einmal machen und ich rate allen: Macht einen Austausch, man kann so vieles lernen.

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Auf nach Cuernavaca!


Seit dem Schuljahr 2014/15 führt das Gymnasium Thun jährlich ein Austauschprojekt mit der Schweizer Schule in Cuernavaca, rund 85 Kilometer südlich von Mexiko City gelegen, durch.

 

Text Ella Lory, 19gR, und Emilio Cuen, 20gP

Bilder ?

 

Dabei nimmt eine Schülerin des SF Spanisch (bis anhin haben nur Schülerinnen soviel Mut bewiesen) und deren Familie einen Gastschüler oder eine Gastschülerin aus Mexiko während eines Sommersemesters bei sich zuhause auf und darf dann im Gegenzug während des ersten Quartals der Sekunda mexikanische Schulluft schnuppern und ganz in die mexikanische Kultur eintauchen und dabei natürlich, die bereits erlernten Spanischkenntnisse anwenden. Im folgenden berichten Ella Lory (19gR) und Emilio Cuen (20gP) von ihren Erfahrungen in der Ferne.

 

¡Viva México!

Noch gut kann ich, Ella Lory, mich an den Tag erinnern, an dem alles anfing. Nach der Ankunft am Flughafen hiess es Spanisch sprechen, so lautete die Abmachung zwischen meinem Gastbruder Sebastian, der zuvor ein halbes Jahr bei uns gelebt hatte, und mir. Anfangs war es noch schwer, doch schon bald fing ich an, mich daran zu gewöhnen.

Küsschen, herzliche Umarmungen und freudenstrahlende Gesichter: Wir waren endgültig in Cuernavaca, Mexiko, angekommen. Die Familie Ortega nahm mich mit offenen Armen auf und erleichterte mir so vieles.

Rückblickend war die erste Woche die anspruchsvollste. Alles war noch neu, anders als gewohnt und auch der Wechsel in eine andere Sprache brauchte mehr Energie als erwartet.

Nach einer knappen Woche ging die Reise weiter, es standen Ferien in Cancún am karibischen Ozean auf dem Plan. Türkisblaue Sandstrände, Palmendächer und magische Sonnenuntergänge wie aus dem Bilderbuch erwarteten uns. In dieser Woche machte ich, vom Entspannen am Pool bis mit den Fischen Tauchen, fast alles. Zudem konnte ich erstmals mit meiner Gastfamilie richtige Gespräche führen, neue Freundschaften knüpfen und meine Spanischkenntnisse anwenden und vertiefen.

Zurück in Cuernavaca folgten mehrere Partys, Treffen mit Familien und Freunden und ich lernte das Umfeld von Sebastian und seiner Familie kennen. Dies kam mir einige Wochen später an meinem ersten Schultag zugute, denn da kannte ich bereits mehr als die Hälfte der Klasse und somit war die erste Hürde überwunden.

Während der Schulzeit war ich häufig mit meinen neu gewonnenen Freunden unterwegs und konnte, was mich sehr freute, außerdem einem Volleyballverein beitreten und meiner Leidenschaft auch in Mexiko nachgehen. Von nun an vergingen die Wochen wie im Fluge und ich war endgültig im mexikanischen Alltag angekommen. Am Wochenende machten wir jeweils einen Ausflug in eine nahegelegene Stadt, darunter auch Mexiko City, oder in ein Dorf, wobei ich noch mehr vom Land und seinen Kulturen erfahren durfte.

Ebenfalls hatte ich das Glück, dass während meines Aufenthalts der Unabhängigkeitstag Mexikos gefeiert wurde. Dazu gehörte auch die berühmte Rede «el grito» (der Schrei), bekannt für die Worte «Viva Mexico! Viva la independencia!». Beeindruckend!

Ungewohnt war für mich, dass ich nicht einfach das Haus verlassen und auf eigene Faust etwas unternehmen konnte. Nein, egal was ich tun und machen wollte, ich musste immer gefahren werden oder man musste mindestens zu zweit ein Taxi oder besser noch einen Uber nehmen. Deshalb war ich fast nie alleine. Am Anfang war das kein Problem. Mit der Zeit fing ich jedoch an, die Freiheiten, die wir in der Schweiz haben, zu vermissen und in mir drängte sich immer mehr der Wunsch auf, nur einmal etwas für mich alleine unternehmen zu können.

Doch was in den letzten beiden Wochen meines Aufenthaltes noch alles geschah, hätte ich nie erwartet: alles zitterte, die Tische und Stühle begannen zu wackeln, erschrockene Gesichter. Ein Erdbeben, eines der Stärksten der letzten hundert Jahre. Glücklicherweise blieben alle heil, dennoch konnten wir die restliche Woche und die darauffolgende nicht zur Schule gehen. Dafür unterstützten ich und meine Freunde Hilfsorganisationen wie das rote Kreuz dabei, Essen, Getränke, Hygieneartikel und vieles mehr zu sammeln, zu sortieren, in die Dörfer zu bringen und zu verteilen. Die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, werde ich niemals vergessen.

Plötzlich war schon der letzte Tag gekommen: ein letztes gemeinsames Frühstück und schon nahte der Abschied.

Zuhause kam ich überglücklich und voller neuer Eindrücke und Erkenntnisse an, wie ich sie sonst nie gewonnen hätte. Ich kann jedem empfehlen, einen Austauschaufenthalt zu machen. So lange alleine wegzugehen, mag zuerst schwer erscheinen, doch wenn man den nötigen Mut aufbringt, lohnt es sich wirklich!

Wer mehr über meinen Austausch erfahren möchte, besucht meinen Blog: Blog Mexiko

 

Grüessech, Schweiz!

Ich, Emilio Cuen, bin im Januar in die Schweiz gekommen und blieb bis Juli 2018. Jetzt bin ich 17 Jahre alt. Ich wohnte bei meiner Gastfamilie in Gurzelen, ein kleines Dorf neben Uetendorf und Seftigen. In Mexiko gehe ich in eine Schweizer Schule, darum kann ich Deutsch sprechen und schreiben. Einer der wichtigsten Gründe für den Austausch war, mein Deutsch zu verbessern.

Am Anfang war alles total anders als in Mexiko. Die Sprache zum Beispiel war etwas, das ich nicht im Griff hatte. In Mexiko dachte, ich, der Schweizer Dialekt sei nicht so anders als Hochdeutsch. Aber das erste Mal, als ich Schweizerdeutsch hörte, sass ich im Flugzeug von Madrid nach Basel. Da dachte ich: «Welche Sprache ist das? Das ist sicher Russisch oder so etwas», aber nein, es war kein Russisch, sondern Walliser Dialekt.

Meine erste Woche hier war ein bisschen schwierig, ich kannte nichts. Alles war neu für mich und das Wetter war äusserst kalt. Aber mit der Hilfe meiner Gastfamilie, den Grünigs, habe ich langsam alles gelernt.

In der Schule waren alle sehr nett zu mir, aber es war nicht einfach, nur Deutsch zu reden. Dank meiner Gastfamilie habe ich viele Leute kennengelernt, die mir geholfen haben. Jetzt habe ich viele Freunde, die ich niemals vergessen werde.

Am Ende meines Aufenthaltes hat sich vieles verändert: Ich kann sagen, ich kenne die Schweiz sehr gut. Ich bin häufig gereist und habe in fast jedem Kanton Erfahrungen gemacht. Einmal im Zug nach Zürich hat jemand des Zugpersonals zu mir «Grüessech» gesagt. Und ich habe mit «Ade» geantwortet.

In der Schweiz sind die Menschen anders als in Mexiko; organisierter und manchmal auch distanzierter. Aber alle waren immer sehr warmherzig zu mir. Alle diese Erfahrungen werde ich niemals vergessen, die Schweiz ist ein Teil von mir geworden und hat mich geprägt.

Ich bin sehr dankbar für alle diese Erfahrungen und dafür, dass ich so gute Freunde gefunden habe. Sicher würde ich diesen Austausch noch einmal machen und ich rate allen: Macht einen Austausch, man kann so vieles lernen.

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