Editorial

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Musikalische Mundart-Lakonie


Lautmalerische Gedichte, Filmmusik und Suiten – das Orchester des Gymnasiums Thun zeigte am diesjährigen Konzert eine grosse und anspruchsvolle Aufführung. Die Vertonung von Ernst Eggimanns Texten unter dem Namen «EggiMa – RundiFrou» des Unterseener Willy Schnyder fand grossen Anklang, auch beim Komponisten.

 

Text Nevio Heimberg (aus der «Jungfrau Zeitung» vom 3. Mai 2018
) 

Bilder Nevio Heimberg

 

Willy Schnyder schreitet neben das Klavier in der alten Turnhalle im Gymnasium Seefeld. Der gebürtige Unterseener beginnt unter Begleitung von Lehrkraft Hans-Peter Gilgen lautstark zu lamentieren. «O o o, e e e e, dass das het müesse gscheh!» Die lakonischen Gedichte des Langnauers Ernst Eggimann hallen noch eine ganze Stunde durch den Raum, untermalt von Chor und Orchester des Gymnasiums Thun, gesungen und gesprochen, flüsternd und schreiend. Das Publikum quittiert das gelungene Werk mit vielen Lachern und begeistertem Beifall.

Zu Beginn des Konzertes eröffnete das Orchester den Abend mit einem Auszug aus Walter Leighs «Suite für kleines Orchester» zu Shakespeares Sommernachtstraum. Die jungen Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Dirigent Urs Mayr lieferten eine anmutige Eröffnung in leichter aber effektiver Besetzung. Das Werk in von Barock angehauchtem Stil spielten besonders die Streicher sehr gepflegt, ohne die verspielte Lockerheit zu verlieren. Die Ensembleformation, welche später das Trio aus Franz Schuberts Oktett in F-Dur zum Besten gab, machte seinen Job solide, und auch die Aufführung von Hans Zimmers Soundtrack zu «Pirates of the Caribbean: At World’s End» sorgte für Staunen beim Publikum.

Der Höhepunkt des Abends ist jedoch ein Werk bestehend aus 23 Liedern. Ja, ganze 23 Gedichte von Ernst Eggimann, die Willy Schnyder unter dem Titel «EggiMa – RundiFrou» vertont hat. Das Programm für Chor, Soli und Orchester wurde mit dem Seefeld-Orchester bereits 2015 in der Kirche Langnau uraufgeführt – am Mittwochabend in einer zweiten, revidierten Version in der alten Turnhalle des Gymnasiums. Orchesterdirigent Urs Mayr begrüsste den Unterseener zu Beginn des Konzertes: «Wenn man Stücke uraufführt, dann ist der Vorteil meist, dass der Komponist noch lebt.» Und Willy Schnyder war nicht bloss zugegen, er war der Teil der Aufführung – sei es gesanglicher oder pianistischer Natur.

Für die zweite, revidierte Version änderte sich einiges, so Schnyder: «Ich habe neue Songs dazugeschrieben. Und die alten natürlich teilweise überarbeitet.» Doch wie mag ein musikalisches Werk aus Eggimann-Gedichten tönen? Es handelt sich dabei nicht um simple Lieder, sondern um Mischungen von himmlischen Chören und jazzigem, harmonisch nicht ganz leichtem Jazz, mal neckisch, mal lustig. Die Absicht von Willy Schnyder: «Ich versuche mit der Musik, die Texte zu verstärken. Die Gedichte von Eggimann sind schon an sich sehr stark, und deshalb ist es schwierig, sie nicht zu überdecken.»

Unter der Leitung von Michel Jaccard, der sein letztes Konzert vor der Pensionierung dirigierte, gelang dies der musikalischen Grossformation bestens. Auch Willy Schnyder als Komponist freut die Interpretation, auch wenn es noch Spielraum nach oben gibt: «Jetzt wäre das Werk etwas gefestigt, und man würde mit der Überarbeitung beginnen. Doch ich bin sehr zufrieden.» So wie Schnyder die Texte von Eggimann als «grossartigen Wurf» bezeichnet, konnte sich die Interpretation von Chor und Orchester des Gymnasiums Thun sehen lassen. Das Programm vom nächsten Jahr wurde nicht verraten. Um es in Ernst Eggimanns Worten auszudrücken: am wägwiser, wärweise mer, wele wäg, wär weis, hüt scho wohi, sit der zwäg, mir gö, einewäg.

 

 

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Lautmalerische Gedichte, Filmmusik und Suiten – das Orchester des Gymnasiums Thun zeigte am diesjährigen Konzert eine grosse und anspruchsvolle Aufführung. Die Vertonung von Ernst Eggimanns Texten unter dem Namen «EggiMa – RundiFrou» des Unterseener Willy Schnyder fand grossen Anklang, auch beim Komponisten.

 

Text Nevio Heimberg (aus der «Jungfrau Zeitung» vom 3. Mai 2018
) 

Bilder Nevio Heimberg

 

Willy Schnyder schreitet neben das Klavier in der alten Turnhalle im Gymnasium Seefeld. Der gebürtige Unterseener beginnt unter Begleitung von Lehrkraft Hans-Peter Gilgen lautstark zu lamentieren. «O o o, e e e e, dass das het müesse gscheh!» Die lakonischen Gedichte des Langnauers Ernst Eggimann hallen noch eine ganze Stunde durch den Raum, untermalt von Chor und Orchester des Gymnasiums Thun, gesungen und gesprochen, flüsternd und schreiend. Das Publikum quittiert das gelungene Werk mit vielen Lachern und begeistertem Beifall.

Zu Beginn des Konzertes eröffnete das Orchester den Abend mit einem Auszug aus Walter Leighs «Suite für kleines Orchester» zu Shakespeares Sommernachtstraum. Die jungen Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Dirigent Urs Mayr lieferten eine anmutige Eröffnung in leichter aber effektiver Besetzung. Das Werk in von Barock angehauchtem Stil spielten besonders die Streicher sehr gepflegt, ohne die verspielte Lockerheit zu verlieren. Die Ensembleformation, welche später das Trio aus Franz Schuberts Oktett in F-Dur zum Besten gab, machte seinen Job solide, und auch die Aufführung von Hans Zimmers Soundtrack zu «Pirates of the Caribbean: At World’s End» sorgte für Staunen beim Publikum.

Der Höhepunkt des Abends ist jedoch ein Werk bestehend aus 23 Liedern. Ja, ganze 23 Gedichte von Ernst Eggimann, die Willy Schnyder unter dem Titel «EggiMa – RundiFrou» vertont hat. Das Programm für Chor, Soli und Orchester wurde mit dem Seefeld-Orchester bereits 2015 in der Kirche Langnau uraufgeführt – am Mittwochabend in einer zweiten, revidierten Version in der alten Turnhalle des Gymnasiums. Orchesterdirigent Urs Mayr begrüsste den Unterseener zu Beginn des Konzertes: «Wenn man Stücke uraufführt, dann ist der Vorteil meist, dass der Komponist noch lebt.» Und Willy Schnyder war nicht bloss zugegen, er war der Teil der Aufführung – sei es gesanglicher oder pianistischer Natur.

Für die zweite, revidierte Version änderte sich einiges, so Schnyder: «Ich habe neue Songs dazugeschrieben. Und die alten natürlich teilweise überarbeitet.» Doch wie mag ein musikalisches Werk aus Eggimann-Gedichten tönen? Es handelt sich dabei nicht um simple Lieder, sondern um Mischungen von himmlischen Chören und jazzigem, harmonisch nicht ganz leichtem Jazz, mal neckisch, mal lustig. Die Absicht von Willy Schnyder: «Ich versuche mit der Musik, die Texte zu verstärken. Die Gedichte von Eggimann sind schon an sich sehr stark, und deshalb ist es schwierig, sie nicht zu überdecken.»

Unter der Leitung von Michel Jaccard, der sein letztes Konzert vor der Pensionierung dirigierte, gelang dies der musikalischen Grossformation bestens. Auch Willy Schnyder als Komponist freut die Interpretation, auch wenn es noch Spielraum nach oben gibt: «Jetzt wäre das Werk etwas gefestigt, und man würde mit der Überarbeitung beginnen. Doch ich bin sehr zufrieden.» So wie Schnyder die Texte von Eggimann als «grossartigen Wurf» bezeichnet, konnte sich die Interpretation von Chor und Orchester des Gymnasiums Thun sehen lassen. Das Programm vom nächsten Jahr wurde nicht verraten. Um es in Ernst Eggimanns Worten auszudrücken: am wägwiser, wärweise mer, wele wäg, wär weis, hüt scho wohi, sit der zwäg, mir gö, einewäg.

 

 

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