Editorial

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Picknickdecken-Konzert ohne Picknickdecken


Eigentlich hätte das Konzert des jungen Zürcher Pianisten Teo Gheorghiu draussen stattfinden sollen – doch das Wetter verhinderte das Erlebnis, von der Picknickdecke aus der Musik lauschen zu dürfen. Doch auch eine Turnhalle lässt sich zum Konzertraum umgestalten.

 

Text Mara Traffelet, 19gR

Bilder Beàta Fässler, 19gP

 

Immer mehr Besucher versammeln sich auf dem kleinen Parkplatz hinter dem Wissenschaftsgebäude auf dem Seefeldareal. Vereinzelt stehen schon Gruppen von Jugendlichen, von Familien, wie auch von alten Freunden beisammen und lächeln über den kühlen Wind hinweg. Wegen eben diesem Wind findet der Anlass, auf welchen schon alle gespannt warten, drinnen, in der alten Turnhalle, statt. Ich gehe hinein, ich möchte mir die Halle einmal ansehen. Hoffentlich haben die Organisatoren etwas aus der alten, langweiligen Halle gemacht. Jedoch treffe ich auf eine geschlossene Tür und zwei meiner Mitschüler. Sie raten mir, den jungen Herren, der sich da drinnen gerade einspielt, nicht zu stören. Es handelt sich um einen gewissen Teo Gheorghiu – ein wahres Wunderkind des Klavierspiels, sogar ein Film wurde über diesen jungen Pianisten aus Zürich gedreht, der heute in London lebt. «Vitus» heisst er.

Das jedenfalls lasse ich mir erzählen. Ich lasse den jungen Herrn also spielen und laufe zurück nach draussen, wo unsere Klasse gerade instruiert wird, wie an der Bar gearbeitet werden soll. Sie wird nämlich von den Sekundanern mit Schwerpunktfach Musik bewirtet. Während wir also angelernt werden, spielen die kleinen Kinder weiterhin um Schokolade am Stand nebenan.

Trotz vieler Gesprächsthemen und viel Schokolade wird es langsam halb sieben. Die gespannten Besucher des ersten Konzerts der Schlosskonzerte Thun strömen in die Halle. Ganz zum Schluss auch wir. In der letzten Reihe haben wir die kleine Bühne immer noch gut im Blick und die vielen Glühbirnen überall um den Flügel herum lassen mich vergessen, dass dieses Konzert einmal draussen hätte stattfinden sollen und diese, nun gemütlich anmutende Turnhalle nur eine Notlösung ist. Als die Vorband beginnt, ihren ersten Jazz-Song zu spielen, verstummt auch das letzte Gerede. Es sind nur noch die Instrumente, das übliche Vogelgezwitscher und die raschelnden Bäume zu hören. Tatsächlich besteht die junge Band mit ihren gesanglich wie auch instrumentalisch anspruchsvollen Stücken aus drei Schülern des Gymnasiums FMS WMS Thun. Während zwei in die gleiche Klasse gehen wie ich, wird  die Jazz-Sängerin dieses Jahr das Gymnasium abschliessen. Die drei treten sehr professionell auf und spielen auch so, auch wenn sie noch nicht einmal zwanzigjährig sind. Der Gesang, das Jazz-Klavier und das Schlagzeug beweisen sich als ein würdiger Kontrast zum klassischen Klavierspiel des auch sehr jungen Teo Gheorghiu. Dieser beginnt bald nach der Vorband den ersten Teil seines Konzertes zu spielen.

Man hat mir geraten, Impressionen und Stimmungen während des Konzerts zu notieren, doch in dieser ersten Hälfte kann ich nur zuhören. Es mag kitschig klingen und man muss wissen, normalerweise mutiere ich an klassischen Konzerten zum nörgelnden Kleinkind, doch die Musik fesselt mich. Jeder Ton sitzt, ob leise oder laut. Der Pianist spielt spannende Stücke sehr ruhig und konzentriert.

Kaum hat Teo Gheorghiu angefangen, so scheint es, ist der erste Teil auch schon vorbei. Die Sekundaner schleichen schnell raus, um den Barbetrieb wiederaufzunehmen. Die Gläser werden gefüllt und schon bald geht es weiter im Programm.

Ein lustiger Kauz in grünen Hosen und mit Tabakpfeife begibt sich auf die Bühne, gefolgt vom jungen Pianisten. Der ältere Herr stellt dem Musiker ein paar Fragen. Dieser antwortet, zu meiner Verwunderung, sehr bodenständig. Erwartet habe ich einen jungen Mann, welcher eventuell schon zu sehr überzeugt von seinem Tun und entzückt ist von seinem Talent. Doch da tat ich dem Pianisten sehr unrecht. Teo Gheorghiu wirkt wirklich sympathisch. Er ist, trotz Ruhm, auf dem Boden geblieben.

Nach dem kleinen Interview geht es weiter mit dem zweiten Teil des Konzertes. Gheorghiu gibt noch einmal alles und spielt ausserordentlich vielseitige Stücke. Im Rahmen des Schwerpunktfachs besuchen wir viele musikalische Anlässe, darunter natürlich auch klassische Konzerte. Und während ich bis jetzt an jedem dieser Konzerte mindestens drei Köpfe habe nach unten fallen sehen und mehrere Gähner gehört habe, war ich erstaunt, dass diesmal nicht ein einziger älterer Herr wegnickte und keine Dame das Gähnen unterdrücken musste. Viel mehr flüsterten die Leute beim zweiten Teil sehr leise aber erfreut, scheinbar über die Musik und den Musiker. Meiner Meinung nach sollte das bei jedem klassischen Konzert so laufen.

 

 

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Picknickdecken-Konzert ohne Picknickdecken


Eigentlich hätte das Konzert des jungen Zürcher Pianisten Teo Gheorghiu draussen stattfinden sollen – doch das Wetter verhinderte das Erlebnis, von der Picknickdecke aus der Musik lauschen zu dürfen. Doch auch eine Turnhalle lässt sich zum Konzertraum umgestalten.

 

Text Mara Traffelet, 19gR

Bilder Beàta Fässler, 19gP

 

Immer mehr Besucher versammeln sich auf dem kleinen Parkplatz hinter dem Wissenschaftsgebäude auf dem Seefeldareal. Vereinzelt stehen schon Gruppen von Jugendlichen, von Familien, wie auch von alten Freunden beisammen und lächeln über den kühlen Wind hinweg. Wegen eben diesem Wind findet der Anlass, auf welchen schon alle gespannt warten, drinnen, in der alten Turnhalle, statt. Ich gehe hinein, ich möchte mir die Halle einmal ansehen. Hoffentlich haben die Organisatoren etwas aus der alten, langweiligen Halle gemacht. Jedoch treffe ich auf eine geschlossene Tür und zwei meiner Mitschüler. Sie raten mir, den jungen Herren, der sich da drinnen gerade einspielt, nicht zu stören. Es handelt sich um einen gewissen Teo Gheorghiu – ein wahres Wunderkind des Klavierspiels, sogar ein Film wurde über diesen jungen Pianisten aus Zürich gedreht, der heute in London lebt. «Vitus» heisst er.

Das jedenfalls lasse ich mir erzählen. Ich lasse den jungen Herrn also spielen und laufe zurück nach draussen, wo unsere Klasse gerade instruiert wird, wie an der Bar gearbeitet werden soll. Sie wird nämlich von den Sekundanern mit Schwerpunktfach Musik bewirtet. Während wir also angelernt werden, spielen die kleinen Kinder weiterhin um Schokolade am Stand nebenan.

Trotz vieler Gesprächsthemen und viel Schokolade wird es langsam halb sieben. Die gespannten Besucher des ersten Konzerts der Schlosskonzerte Thun strömen in die Halle. Ganz zum Schluss auch wir. In der letzten Reihe haben wir die kleine Bühne immer noch gut im Blick und die vielen Glühbirnen überall um den Flügel herum lassen mich vergessen, dass dieses Konzert einmal draussen hätte stattfinden sollen und diese, nun gemütlich anmutende Turnhalle nur eine Notlösung ist. Als die Vorband beginnt, ihren ersten Jazz-Song zu spielen, verstummt auch das letzte Gerede. Es sind nur noch die Instrumente, das übliche Vogelgezwitscher und die raschelnden Bäume zu hören. Tatsächlich besteht die junge Band mit ihren gesanglich wie auch instrumentalisch anspruchsvollen Stücken aus drei Schülern des Gymnasiums FMS WMS Thun. Während zwei in die gleiche Klasse gehen wie ich, wird  die Jazz-Sängerin dieses Jahr das Gymnasium abschliessen. Die drei treten sehr professionell auf und spielen auch so, auch wenn sie noch nicht einmal zwanzigjährig sind. Der Gesang, das Jazz-Klavier und das Schlagzeug beweisen sich als ein würdiger Kontrast zum klassischen Klavierspiel des auch sehr jungen Teo Gheorghiu. Dieser beginnt bald nach der Vorband den ersten Teil seines Konzertes zu spielen.

Man hat mir geraten, Impressionen und Stimmungen während des Konzerts zu notieren, doch in dieser ersten Hälfte kann ich nur zuhören. Es mag kitschig klingen und man muss wissen, normalerweise mutiere ich an klassischen Konzerten zum nörgelnden Kleinkind, doch die Musik fesselt mich. Jeder Ton sitzt, ob leise oder laut. Der Pianist spielt spannende Stücke sehr ruhig und konzentriert.

Kaum hat Teo Gheorghiu angefangen, so scheint es, ist der erste Teil auch schon vorbei. Die Sekundaner schleichen schnell raus, um den Barbetrieb wiederaufzunehmen. Die Gläser werden gefüllt und schon bald geht es weiter im Programm.

Ein lustiger Kauz in grünen Hosen und mit Tabakpfeife begibt sich auf die Bühne, gefolgt vom jungen Pianisten. Der ältere Herr stellt dem Musiker ein paar Fragen. Dieser antwortet, zu meiner Verwunderung, sehr bodenständig. Erwartet habe ich einen jungen Mann, welcher eventuell schon zu sehr überzeugt von seinem Tun und entzückt ist von seinem Talent. Doch da tat ich dem Pianisten sehr unrecht. Teo Gheorghiu wirkt wirklich sympathisch. Er ist, trotz Ruhm, auf dem Boden geblieben.

Nach dem kleinen Interview geht es weiter mit dem zweiten Teil des Konzertes. Gheorghiu gibt noch einmal alles und spielt ausserordentlich vielseitige Stücke. Im Rahmen des Schwerpunktfachs besuchen wir viele musikalische Anlässe, darunter natürlich auch klassische Konzerte. Und während ich bis jetzt an jedem dieser Konzerte mindestens drei Köpfe habe nach unten fallen sehen und mehrere Gähner gehört habe, war ich erstaunt, dass diesmal nicht ein einziger älterer Herr wegnickte und keine Dame das Gähnen unterdrücken musste. Viel mehr flüsterten die Leute beim zweiten Teil sehr leise aber erfreut, scheinbar über die Musik und den Musiker. Meiner Meinung nach sollte das bei jedem klassischen Konzert so laufen.

 

 

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